Alles Scheiße, ey!


Hach, es ist ein Leichtes, über 2020 zu meckern und sich darüber zu beschweren, was alles schlecht lief. Na klar – die Pandemie bestimmte unsere Arbeit, unsere Freizeit, unser gesellschaftliches Miteinander. Ich behaupte trotzdem: Jeder von uns erlebte auch positive Momente, die wahrscheinlich von dem grässlichen Potpourri aus Ängsten, Sorgen und vielleicht sogar Trauer überschattet wurden.

Bonpflicht war nicht unser größtes Problem

Das Ende des Jahres ist prädestiniert dafür, nicht nur darüber zu reden, einmal zurück zu blicken und 2020 Revue passieren zu lassen. Ich weiß, dass die Verlockung groß ist, sich lieber anderweitig abzulenken. Mit Netflix, Instagram, Facebook, Games, wasauchimmer. Ich versuchte es trotzdem, überwand meine Bequemlichkeit und stellte fest: So viel Scheiße in einem Jahr, ey! Aber da waren auch etliche tolle Situationen, von denen ich einige 1:1 so vielleicht nicht erlebt hätte. Wenn…tja wenn Corona nicht gewesen wäre?!

Mein erster Bon von einem Bäcker.

Mein erster Bon von einem Bäcker.

2. Januar 2020. Ich stehe im Geschäft eines Dorfbäckers. Die Mitarbeiterin hält Monologe über die Bonpflicht und jammert darüber, wie schlimm das alles ist. Ich meine: „In ein paar Monaten redet davon niemand mehr.“ Recht sollte ich behalten. Rückblickend ist es schon interessant, welche im Vergleich banalen „Probleme“ wir vor Corona hatten.

Diskokugel

Februar 2020. Ich sitze im Hebedas, hab leicht einen sitzen und beobachte, wie meine Schwester und ihr Freund zu Abba tanzen. Die Diskokugel dreht sich und es ist, als sei die Welt in Ordnung und frei von Problemen. Dieser wunderbare Abend setzt sich in meinem Kopf fest. Zu dieser Zeit ist die Pandemie noch weit, weit weg.

Diese Kneipe ist aber keine Familieneinkehr mehr...

Diese Kneipe ist aber keine Familieneinkehr mehr…

März 2020. Ihr müsst wissen, dass ich mit meinen über 42 Jahren noch nicht allzu viel in der Welt herumgekommen bin. Ich kenne Ostdeutschland bestens, dafür kaum andere Länder. Umso gespannter bin ich auf 14 Tage Fuerteventura, die ich mit Freundin und Kleinkind fast unbeschwert erlebe. Erst die letzten Tage arten in Chaos aus, denn das Virus macht keinen Halt vor der Kanareninsel. Und wir müssen wieder zurück nach Deutschland. Zwei Tage Unbehagen täuschen nicht darüber hinweg, das der Rest des Urlaubs voller schöner Eindrücke ist.

Bald keine Kunden mehr?

Frühjahr 2020. Was für ein Stress! Ich trennte mich Anfang 2020 von einem langjährigen Kunden. Diese Entscheidung fühlt sich im Lockdown dank der ungewissen Zukunft falsch an. Ja, ich habe Angst, meine Selbständigkeit aufgeben zu müssen. Was, wenn alle meine Kunden und Aufträge wegbrechen? Es kommt glücklicherweise gänzlich anders. Nach intensiven Gesprächen, die schon Monate zuvor begannen, entscheidet sich die Saalemühle+Dresdener Mühle für mich. Für das Qualitätsprogramm Ährenwort sucht das Unternehmen einen Blogger und Social-Media-Kenner. Na, das passt doch!

Ich kann nicht leugnen, dass viele persönliche Wünsche wahr werden: Ich besuche landwirtschaftliche Betriebe und Bäckereien, erfahre sehr viel über die Berufe des Bauers und des Bäckers, sammle Erfahrungen, lerne nette Menschen kennen und kann mir sogar dank des Jobs einen Traum erfüllen: Einmal mit einem Mähdrescher (mit)-fahren. Fantastisch.

Sommer 2020. Bei besten Temperaturen sitze ich mit meiner kleinen Familie an einem hübschen Sandstrand bei Storkow am See. An der Imbissbude gibt’s Kaffee und Pommes. Und ich frage mich, wo ich zu dem Zeitpunkt lieber sein möchte. Mir fällt kein anderer Ort ein. Ich bin genau dort richtig. Das fühlt sich so gut an. Ähnliches erlebe ich in Buckow, einem kleinen Dörfchen in der Märkischen Schweiz. Oder bei einer Freundin mit ihrer Familie irgendwo in der Pampa bei Cottbus. Bei Lagerfeuer quatschen, essen, spazieren gehen – als wäre es das Normalste der Welt, gemeinsam Zeit zu verbringen. Und gerade 2020 ist es das eben nicht.

Am leeren Strand den Nachmittag genießen.

Am leeren Strand den Nachmittag genießen.

Soziale Kontakte

Es kann und soll an dieser Stelle nur ein Auszug sein. Es gab viele Orte und Zeiten, wo ich den Moment genoss. Obwohl ich womöglich mein Smartphone in der Hand hielt, etwas beruflich zu erledigen hatte oder mich meine Freundin wieder mal darauf hinwies, dass ich das Telefon gefälligst in die Tasche stecken soll. Aber auch an mir ging die Corona-Pandemie nicht spurlos vorbei. Noch nie habe ich mich in Dresden so eingeengt gefühlt. Ich habe außerdem das Gefühl, als litten viele soziale Kontakte. Und das nicht nur aufgrund der Einschränkungen, die ohnehin im Sommer kaum spürbar waren. Vielleicht war es auch an der Zeit, sich von manchen Bekannten und Freunden zu entfernen. Von Leuten, die sich ohnehin  mehr für sich und kaum für das Gegenüber interessieren. Mir wurde 2020 deutlich, dass ich mir mit denen nicht meine Zeit verschwenden muss.

Was wird aus dem Coworking-Café?

Anfang 2020 hatte ich noch die Idee, ein Coworking-Café in Dresden Striesen zu eröffnen. Tatsächlich gab es zwei Besichtigungstermine. Ein idealer Eckladen wurde trotz meiner Zusage anderweitig vermietet, ein anderer ist aufgrund des unflexiblen Vermieters wohl ungeeignet. Ein paar (vielversprechende) Projekte zerschlugen sich dank Corona. Ich schaue mich 2021 weiter um, bleib offen für neue Projekte und Visionen. Dafür verschaffe ich mir etwas zusätzliche Luft – durch den Verkauf meiner langjährig gepflegten Seite gaminggadgets.de.

Auch darüber hatte ich nachgedacht: Das Programmkino Ost übernehmen...

Auch darüber hatte ich nachgedacht: Das Programmkino Ost übernehmen…

Und ihr so? Wie war euer 2020? Ich freu mich über eure Kommentare unter diesen Zeilen.

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