#BSEN: Als sächsische Blogger versuchten, ein Netzwerk zu spinnen… 4


Wenn Events zum zehnten Mal stattfinden, merkt man ihnen meist die professionelle Routine an. Das ist ein großer Vorteil, unter anderem weil die Organisation perfekt funktioniert oder sich die Besucher bereits aus den Vorjahren kennen. Trotzdem reizen mich neue Ideen und Debüt-Veranstaltungen immer etwas mehr. Jemand versucht etwas, alles riecht noch frisch und womöglich klappt das eine oder andere noch nicht. Aber dieses nicht auf Hochglanz Polierte macht für mich das Besondere aus. Vielleicht, weil man so das Herzblut und die Leidenschaft der Veranstalter intensiver wahrnimmt? Zumindest spürte ich etwas beim ersten #BSEN in Leipzig am 29. April 2016 im Medien-Campus.

Die Sessions fanden parallel statt.

Die Sessions fanden parallel statt.

Die erste sächsische Bloggerkonferenz

Peter Stawowy vom Flurfunk hatte sich ein Ziel gesetzt: Auf einer Konferenz sollten Blogger ein Netzwerk spinnen. Bei Facebook fand bereits vor Monaten ein Austausch über das Konzept der ersten sächsischen Bloggerkonferenz statt. Für mein Gefühl nahm #BSEN („Blogger spinnen ein Netzwerk“) recht zügig Formen an. Und das Ergebnis gefällt mir für ein Debüt richtig gut. Von 9 bis 18 Uhr konnten sich Neugierige, vorrangig Blogger, Onlinemagazin-Betreiber, Selbständige aus dem Bereich SEO oder Online-Marketing und Mitarbeiter diverse Einrichtungen (Sponsoren), von Sprechern in parallel ablaufenden Sessions über Trends, Markenbildung, Kooperationen, Onlinerecht und Social Media aufklären lassen. Zwischendurch gab’s angenehm lange Pausen zum echten Netzwerken zwischen den Besuchern. Ach, für gutes Essen war auch gesorgt. Lobend sei an dieser Stelle das Kuchenangebot am Nachmittag erwähnt. 🙂

Was mich wirklich positiv überraschte, war der Ablauf. Der flutschte regelrecht, die Zeit verflog in Windeseile und fast immer fand ich es schade, dass die großzügig bemessenen Pausen so schnell vorbei waren. Eventuell lag es an der überschaubaren Menge an Gästen (wohl an die 120), dass die Stimmung sehr positiv, unaufgeregt und persönlich war? Ich hatte nicht den Eindruck, Menschen würden voreingenommen auf andere zugehen, was ich schon auf anderen Events hin und wieder erlebte. Locker-flockig und in einer feinen Location – die bezahlten 30 Euro für ein Ticket waren auf keinen Fall eine Fehlinvestition.

Immer Luft nach oben

Aber? Aber! Natürlich lief nicht alles optimal, was sich in der abschließenden Fishbow-Diskussion offenbarte. Etliche Besucher waren mit den Speakern nicht ganz glücklich, gingen diese bei ihren Themen wohl nicht genug in die Tiefe. Ich für meinen Teil kann das bestätigen, zudem hätte ich mir kürzere Sessions gewünscht. Eine Stunde über einen Schwerpunkt zu reden – das ist nicht zwangsläufig langweilig. Nur ich hätte eben gerne noch mehr Inhalte rund um das Thema Bloggen und Online wahrgenommen. Vier parallel ablaufende Sessions sollten zum „Hopping“ einladen, was letztlich kaum jemand nutzte. Und so blieben die meisten (wie ich) bei einem Vortrag hängen und verpassten dadurch die drei anderen, die vielleicht aufschlussreich(er) gewesen wären.

Gutes Beispiel: Die Gäste dachten, es ging um Reichweite erhöhen. Am Schluss lag der Fokus bei Podcasts.

Gutes Beispiel: Die Gäste dachten, es ging um Reichweite erhöhen. Am Schluss lag der Fokus bei Podcasts.

Was #BSEN deutlich zeigte: Die meisten Blogger sind Einzelkämpfer und sehen sich als solche. Sie fragen sich, wozu es sinnvoll sein kann, ein Netzwerk zu spinnen oder über Kooperationen nachzudenken. Und ich glaube, viele hatten andere Vorstellungen von dem, was die Konferenz konkret bietet. Das Wort „Blogger“ war vermutlich schon Anzugspunkt genug, zumal es bisher (meines Wissens nach) noch keine sächsische Bloggerkonferenz in dieser Form gab. Das Grundinteresse war vorhanden, sonst wäre ja niemand gekommen. Und es hätten sich keine Sponsoren gefunden, die das Event überhaupt ermöglichten.

Gin Tonic im Horns Erben (Die Überschrift hat nichts mit dem Inhalt des Fazits zu tun)

Mein persönliches Fazit ist ein positives. #BSEN war ein feiner Versuch, Blogger aus Sachsen zusammenzubringen und sich kennenzulernen. Ich sehe noch viele Baustellen bis zu einem #BSEN2, was hoffentlich kommt. Sehr gerne mehr Richtung Barcamp, auch zwei Tage, am besten getrennt voneinander, halte ich  für sinnvoll. Womöglich könnte es praktisch sein, den teils sehr unterschiedlichen Wissensstand der Besucher zu berücksichtigen und Leute mit ähnlichen Interessen und Vorlieben schneller zu vernetzen. Ich mag es sehr, meinen Horizont zu erweitern, suche aber auch nach potentiellen Kooperationspartnern und Menschen, mit denen ich etwas umsetzen kann. Gleichgesinnte zum „Spinnen“ finden – das würde ich gerne als Fokus für die Zukunft sehen. Das setzt sicherlich ein Umdenken in ein paar Bereichen voraus, aber ich bin guter Dinge, dass es geeignete Lösungen geben kann.

Die Fishbowl-Unterhaltung fand nicht jeder super.

Die Fishbowl-Unterhaltung fand nicht jeder super.

Wunderbar war übrigens die „Party“ nach #BSEN im Horns Erben. Die Location war zwar auf der anderen Seite der Stadt, dafür eine nach meinem Geschmack. Und auch hier gab’s gute Gespräche mit sympathischen Leuten von der Konferenz.

Es wäre töricht, #BSEN nach dem guten Auftakt wieder einzustampfen. Das Interesse beim Publikum war da, das Feedback meiner Auffassung nach gut und die geäußerte Kritik konstruktiv. Das sind genügend Punkte, um einen Nachfolger zu planen, der die Motive, die Konferenz überhaupt besuchen zu wollen, besser berücksichtigt. Das mag eine Herausforderung sein, ich sehe allerdings keinen Grund, sich dieser nicht zu stellen.

tl;dr: Schulnote 2. Da geht noch was. 🙂

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